Pilates für Rückenschmerzen ab 35:
Was wirklich hilft.

Nicht mehr Bewegung ist die Lösung, sondern die richtige. Fünf Übungen, die genau dort ansetzen, wo es zählt.

Pilates-Übung für den Rücken, Stefanie Riedel, Nusa Pilates

Kurz gesagt: Rückenschmerzen ab 35 entstehen häufig nicht durch zu wenig Bewegung, sondern weil die tiefe Stabilisationsmuskulatur im Alltag kaum angesprochen wird, während oberflächliche Muskeln überlastet werden. Pilates setzt gezielt an dieser Tiefenmuskulatur an. Die 5 Übungen weiter unten sind ein guter Einstieg.

Wenn der Rücken ab 35 anfängt sich zu melden, liegt der erste Gedanke oft nahe: mehr Sport, mehr Bewegung, mehr Disziplin. Dabei ist häufig nicht das Ausmaß der Bewegung das Problem, sondern welche Muskulatur dabei überhaupt angesprochen wird. Viele klassische Trainingsformen aktivieren vor allem die großen, oberflächlichen Muskelgruppen, während die tiefer liegende Stabilisationsmuskulatur unbeachtet bleibt.

Warum der Rücken ab 35 anders reagiert

Langes Sitzen, wiederkehrende Bewegungsmuster im Alltag und mit den Jahren nachlassende Tiefenmuskulatur wirken zusammen. Der untere Rücken übernimmt oft Aufgaben, die eigentlich der Körpermitte zufallen sollten. Das Ergebnis: eine Muskulatur, die dauerhaft überlastet ist, obwohl sie objektiv wenig leistet.

Pilates arbeitet an genau dieser Stelle. Statt einzelne Muskeln isoliert zu trainieren, wird die gesamte Körpermitte, das sogenannte Powerhouse aus Bauch, Rücken und Beckenboden, in jede Bewegung eingebunden. Das kann helfen, den unteren Rücken zu entlasten, statt ihn weiter zu fordern.

Die 5 Übungen im Detail

1. Beckenkippen (Pelvic Tilt)

Rückenlage, Knie aufgestellt, Füße hüftbreit. Beim Ausatmen das Becken leicht nach oben kippen, sodass sich die Lendenwirbelsäule sanft in die Matte drückt. Beim Einatmen lösen. Diese Übung ist der Einstieg in fast jede Pilates-Session, sie lehrt, die tiefe Bauchmuskulatur bewusst anzusteuern.

2. Katze-Kuh

Im Vierfüßlerstand, Hände unter den Schultern, Knie unter der Hüfte. Beim Ausatmen den Rücken runden, das Kinn zur Brust. Beim Einatmen den Rücken sanft durchhängen lassen, den Blick nach vorne. Eine der zugänglichsten Übungen, um die Wirbelsäule Segment für Segment zu mobilisieren.

3. Spinal Twist im Sitzen

Aufrecht sitzen, Beine gekreuzt oder ausgestreckt. Mit gerader Wirbelsäule zu einer Seite drehen, eine Hand stützt sich leicht hinter dem Körper ab. Einige Atemzüge halten, dann die Seite wechseln. Löst Spannung entlang der gesamten Wirbelsäule.

4. Schwimmen (Swimming)

Bauchlage, Arme nach vorne gestreckt. Abwechselnd einen Arm und das gegenüberliegende Bein leicht anheben, dabei ruhig weiteratmen. Diese Übung spricht gezielt die tiefe Rückenmuskulatur entlang der Wirbelsäule an.

5. Kindhaltung

Fersensitz, Oberkörper nach vorne über die Oberschenkel ablegen, Arme lang nach vorne oder neben dem Körper. Ein ruhiger Abschluss, der den unteren Rücken sanft dehnt und das Nervensystem beruhigen kann.

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Wie oft und wie lange

Zwei bis drei Sessions pro Woche über vier bis sechs Wochen sind ein realistischer Rahmen, um eine Veränderung zu spüren. Schon eine Einheit pro Woche kann ein erstes Gefühl für die eigene Körpermitte vermitteln, für einen kontinuierlichen Aufbau empfehle ich mindestens zwei. Wichtiger als die Häufigkeit ist die saubere Ausführung, lieber fünf Minuten konzentriert als zwanzig Minuten abgelenkt.

Häufige Fragen

Wie schnell merke ich einen Unterschied?

Viele spüren nach 2 bis 3 Sessions pro Woche über 4 bis 6 Wochen eine Veränderung im Rücken. Regelmäßigkeit und saubere Ausführung zählen dabei mehr als Häufigkeit.

Ist Pilates bei akuten Rückenschmerzen geeignet, oder erst danach?

Bei akuten, starken Schmerzen empfiehlt sich zunächst ärztlicher Rat. Pilates eignet sich gut, um im Anschluss die tiefe Muskulatur aufzubauen und erneuten Beschwerden vorzubeugen.

Reicht Pilates allein, oder brauche ich zusätzlich Physiotherapie?

Das hängt von der Ursache ab. Bei strukturellen Problemen ist Physiotherapie oft die richtige erste Anlaufstelle. Pilates kann begleitend oder im Anschluss eine gute Ergänzung sein, um das Erreichte zu festigen.

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Stefanie Riedel

Pilates-Trainerin für Frauen ab 35. Mehr als 10 Jahre Pilates-Praxis, seit 2022 unterrichtet sie online. Lebt in Frankfurt mit ihrer Familie.

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